Leiothrix lutea (Scopoli, 1786)
K.-G. Viet (2859)
Englisch: Red-billed leiothrix, Peking Nightingale
Französisch: Léiothrix d'orient, Lèiothrix jaune, Rossignol du Japon
Holländisch: Japanse Nachtegaal
Italienisch: Usignolo del Giappone
Spanisch: Leiotrix Piquirrojo
Der Sonnenvogel gehört zur Familie Timalien. Es wird auch Chinesische Nachtigall genannt, obwohl er nicht zu den Nachtigallen gehört. Die Sonnenvögel kommen im Himalaya von Kaschmir bis Assam und im Süden Chinas vor. Sie lebem im Unterholz der Bergwälder bis zu einer Höhe von 2700 m, im Busch- und Gasland und in Plantagen.
Die Größe eines Sonnenvogels beträgt ca. 16 cm. Die Unterscheidung der Geschlechter ist nicht so einfach, da Hahn und Henne fast gleich aussehen. Das Gefieder der Vögel ist dunkelolivgrün und zum Rücken hin etwas gräulicher. Der Bauch der Vögel ist in einem schönen Grau gefärbt, was zum Schwanz hin etwas blassser wird.
Beide Gschlechter haben ein orangefarbendes Brustband, die Kehle ist bei beiden goldgelb, wobei die Intensität beim Hahn etzwas stärker ist. Der gräuliche Schwanz weist beim Männchen im hinteren Drittel oben eine weiße Querbinde auf, Bei den meisten Weibchen ist die Querbinde nur leicht angedeutet oder fehlt ganz.
Für mich ist der Unterschwanz vom Männchen und Weibchen der beste Geschlechtsunterschied. Der Hahn hat an der Längsseite des Unterschwanzes an beiden Seiten einen dünnen schwarzen Streifen. Quer am Schanzende ist der schwarze Streifen doppelt so breit. Beim Weibchen ist dieser Streifen am Ende des Unterschwanzes nur so schmal wie an den Seiten. Falls man sich nochj nicht 100% sicher ist, setzt man die Sönnenvögel getrennt und ohne Sichtkontakt zueinander, eineln in Käfige. Die Männchenfangen nach kurzer Zeit an zu singen, wobei die Weibchen nur zwei- oder dreisilbig antworten.
In der Ruhephase haben die Sonnenvögel dunkle Schnäbel. Für mich ist der Sonnenvogel schon immer sehr interessant gewesen. Vor mehr als zehn Jahren fand man auf den Vogelbörsen in Deutschland und Holland hunderte dieser schönen Vögel in kleinen Verkaufskästen. Es waren damals billige Vögel. Viele unerfahreneVogelhalter kauften sich diese gut aussehenden Vögel, da der Sonnenvogel auch einen schönen Gesang hat. Die Vögel wurden meist nur mit Exotenfutter oder Kanarienfutter gefüttert. Da sie aber auch Lebendfutter benötigen holten sie sich Eier oder Jungvögel aus den Nestern anderer Vögel, die mit den Sonnenvögel in einer Voliereuntergebracht waren.Dadurch kamen die Sonnenvögel in den Verruf der Nesträuberei, was nach meiner Meinung aber ungerechtfertigt ist, da es sicher am falschen Futter lag. Bei dem richtigen Futterangerbot mit Lebendfutter und Weichfutter dürfte es nicht zu Nestplünderungen kommen.
Da ich mich schon sehr früh entschlossen hatte Insektenfresser zu züchten, kaufte ich mir ein paar dieser Vögel. Sie kamen in eine Voliere mit den Maßen 4 x 1,5 x 2 m mit Schutzraum, der durch eine Öffnung zu erreichen ist.
Der Sonnenvogel ist ein geselliger Volierenvogel - zutraulich, neugierig, immer in Bewegung und lebhaft. Gerne kuscheln sie sich aneinander, ähnlich wie die Bartmeisen, dass es den Anschein hat, ein großer Vogel mit zwei Köpfen sitzt da.
Meine Sonnenvögel bekomen auch noch Weichfutter. Es setzt sich aus je 500 g Haferflocken und Weizenkleie zusammen.Alles gut mischen, dann zwei Becher Hüttenkäse, etwas Olivenöl, etwas Milchpulver, zwei Kaffebecher Matzinger Hundeflocken, Vitamine (Supramin, Korvimin, AD3 und Bierhefe) zugeben und zuletzt etwas Wasser, um die Masse erdkrümelig zu bekommen. Ich friere mein selbst gemachtes Weichfutter ein, um es für jeden Tag frisch und portionsweide entnehmen zu können. Zusätzlich werden Mehlwürmer und Pinky´s gereicht.
Das Lebendfutter wird einmal in der Woche mit Lebertran leicht angefeuchtet und mit Vitaminen und Bierhefe bestreut. Äpfel werden auch angeboten. Das Trinkwasser (3 Liter Wasser, 2 Eslöffel Apfelessig 5 % Säuregehalt) wird an vier aufeinander folgenden Tagen gegeben, natürlich jeden Tag frisch Hergestellt. Danach vier Tage Wasser und dann folgen sechs Tage mit Zwiebel-Knoblauchwasser (einen Tag vorher eine Zwiebel oder Knoblauchzehe in drei Liter Wasser ziehenlassen). Ddurch bleiben die Vögel vitaler. Im Frühjahr biete ich mehr Lebendfutter an und reduziere im gleichen Maß das Weichfutter.
Im Februar setze ich die Vögel mit einem Paar Bartmeisen in eine Voliere, die ich mit Ästen vom Lebensbaum dekoriert hatte. In den Ästen wurden selbstgebaute Nester befestigt. Auch brachte ich zwei Halbhöhlen und vier Kaisernester in der Voliere an. Als Nistmaterial gab ich Kokosfasern, Heu und Kanariennistmaterial.
Wenn die Sonnenvögel in Brutstimmung kommen, färben sich die Schnäbel orange. Der Hahn balzt mit einem Halm oder einem Blatt in seinem Schnabel die Henne an. Auch ein kleiner Stein oder ein dünner Zweig wurde manchmal genommen. Das Paar bewegt sich aufeinander zu und der Hahn geht mit seinem Körper von oben nach unten. Ist die Henne bereit für die Paarung, duckt sie sich und bewegt die Flügel, wie ein junger bettelnder Vogel und lässt sich befliegen.
Das Nest wurde freistehend gebaut, wobei das Nest zu 90 % aus Kokosfasern besteht. Es wurde ganz dünn gebaut. Ich hatte Angst, dass die Eier oder Jungen aus dem Nest fallen würden. Nun baute ich ein Nest aus Birkenzweigen und befestigte dieses Hilfsnest unter dem Nest der Sonnenvögel. Das Selbstgebaute Nest wurde jetzt an meinem befestigt.
Die Sonnenvögel nahmen mir das nicht übel. Sie bauten ihr Nest noch weiter aus und die Henne legte vier kugelförmige, hellbeige Eier mit rotbraunen Flecken. Ab dem dritten Ei wurde begrütet. Nun gaben meine Sonnenvögel bei der Fütterung Warnsignale ab. Das Paar wechselte sich beim Brüten ab.
Nach 13 Tagen schlüpften die jungen Sonnenvögel und ich fand Eierschalen im Futternapf. Die Vögel nahmen in den ersten Tagen hauptsächlich Pinky´s und kleine, frisch gehäutete Mehlwürmer. Ab dem vierten Tag gab ich jeden Tag präparierte Pinky´s und Mehlwürmer, die ich vorher mit etwas Lebertran angefeuchtet und mit Supramin, Korvimin, AD3 und Bierhefe besteut hatte. Die Jungen entwickelten sich prächtig und sie wurden am fünften Tag geschlossen beringt.Die Ringe hatte ich vorher mit Hansaplast beklebt, damit sie nicht mehr glänzten. So haben die Ringe Hautfarbe und die Jungen werden nicht so leicht aus dem Nest geworfen.
Einmal hatte ich es verpasst das Datum des Schlupfes aufzuschreiben. Ich dachte, die jungen Sonnenvögel sind fünf Tage alt und ich müsste sie nun beringen. Ich betrat die Voliere und ging mit meiner Hand zum versteckten Nest. Zu meiner Überraschung waren die Jungen aber schon neun Tage alt und sie hüpften aus dem Nest. Es gelang mir nicht, die Jungen Sonnenvögel wieder ins Nest zu setzen, geschweige denn sie zu beringen. Ich hoffte, dass die Jungen auch außerhalb des Nestes überleben würden. Leider waren alle bis auf ein Junges, amn Unterkühlung gestorben. Hätte ich sie nicht beringen wollen, hätten alle überlebt.
Die Eltern sperre ich immer im Schutzraum ein, damit sie es nicht sehen, wenn ich zum Nest gehe, um die Jungvögel zu beringen. Sonnenvögel beschützen sonst ihr Nest und greifen auch schon mal gerne an. Vor allem der Hahn gibt kräftige Warnsignale ab.
Die Sonnenvögel fütterten weiter ihre Jungen vorbildlich. Eine Nestkontrolle ab dem neunten Tag darf nicht mehr durchgeführt werden, denn die Gefahr besteht, das die Jungen das Nest fluchtartig verlassen. Auch das Wrnsignal des Hahnes kann schlimme Folgen haben. Die Jungen hüpfen sofort aus dem Nest und bei kühlen Temperaturensterben sie, da das Gefieder auch nicht so ausgeprägt und wärmend ist.
Wenn alles ohne Störung verläuft, verlassen die Jungen ihr Nest im Alter von ca. zwölf Tagen. Sie halten sich meist im Geäst auf, ab und zu gehen sie auch auf den Boden. Aber nach spätestens zwei Tagen müsste der Jungvogel sich dann mehr im Geäst aufhalten.
Wenn das nicht der Fall ist, wäre es ein Anzeichen einer Mangelerscheinung. Meisten mucken sie noch eionige Zeit herum und sterben dann aber doch. Seit ich Lebertran und Vitamine gebe, habe ich dieses Problem nicht mehr. Die Fütterung der Jungen übernimt immer mehr der Hahn, da das Weibchen wieder mit Nestbau und Eiablage beschäftigt ist. In den ersten Tagen sitzen die Jungen abends noch im Nest und schlafen dort.
Die Gefhr ist recht groß, dass die Jungen im Alter von 20 bis 30 Tagen bei Warnsignalen der Eltern, aufgeschreckt durch die Voliere fliegen. Dadurch habe ich schon einige junge Sonnenvögel verloren, weil sie mit voller Wucht gegen eine Mauer oder den Draht geflogen sind. Verluste von Jungvögel hatte ich auch schon, weil sie im Wassernapf ertrunken sind.
Nach ca. 32 Tagen konnte ich die Jungen von den Eltern absetzen, weil sie dann schon selbstständig sind. Die jungen Hähne singen schon recht früh. Nach ca. 50 Tagen kann man bei den jungen sonenvögel gut die Geschlechter, wie oben beschrieben, feststellen.
Die Sonnenvögel machen bei mir zwei bis drei Bruten. Brutbeginn ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Einmal fingen die Sonnenvögel ihre Brut erst im Augustan und die zweite dann Ende September. Leider verhungerte die zweite Brut, da zu wenig Tageslicht in die große Außenvolierekam. Normalerweise beginnt die Brutsaison schon im April.
Junge Sonnenvogelhähne singen noch schöner, wenn man ihnen Vogelstimmen von anderen Sängern von einer CD vorspielt.
Sonnenvögel sind, neben Bartmeisen und Rubinkehlchen, meine Lieblingsvögel. Das soziale Verhalten, die Farbe und das Aneinanderkuscheln der Vögel ist neben dem schönen Gesang das Schönste für mich. Meine Zucht kann mit guten Kenntnissen leicht gelingen. Ich hoffe, dass die Sonnenvögel noch lange in Züchterhand bleiben.
Zuletzt noch ein ganz wichtiger Hinweis:
Sonnenvögel sind meldepflichtig und herkunftsnachweispflichtig. Eine Haltegenehmigung oder Beringung ist nicht erforderlich.





